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Der Rathgeber vor, bei und nach dem Beischlafe

von Dr. Becker aus dem 19. Jahrhundert

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Kapitel 1:

Der Rathgeber vor, bei und nach dem Beischlafe oder faßliche Anweisung, den Beischlaf so auszuüben, daß der Gesundheit kein Nachtheil zugefügt, und die Vermehrung des Geschlechts durch schöne, gesunde und starke Kinder befördert wird.

Vorrede zur ersten Auflage.

Unter allen Gegenständen, welche die Aufmerksamkeit des Jünglings wie des Greises reizen, ist wohl keiner so bedeutend, so sehr anziehend, als der, den diese Schrift behandelt. Ich wünschte, durch sie über ihn mehr Licht in den mittlern Ständen zu verbreiten, Manches zur Sprache zu bringen, was Jeder wissen sollte, und nur Wenige zu wissen pflegen. Man hat verschiedenemale schon den Wunsch geäußert, namentlich der verehrungswerthe Geheimerath Hufeland selbst in seiner Makrobiotik, daß Neuverheiratheten ein Büchelchen in die Hände gegeben werden möchte, das sie über den (physischen) Zweck der Ehe, und die Mittel, ihn sicher zu erreichen, ohne den andern Bestimmungen der Organisation Eintrag zu thun, belehrte: vielleicht ist es dazu geeignet, und der Verfasser würde sich sehr freuen, wenn unpartheische Richter den Ausspruch fällten, diesen Zweck erreicht zu haben.

Vorrede zur sechsten Auflage.

Es sollte die sechste Auflage allerdings die siebente heißen, da die fünfte wegen Kürze der Zeit, ohngeachtet sie sehr stark war, unverändert im Jahr 1809 aufs neue gedruckt werden mußte. – Endlich hat der Verfasser das Vergnügen, eine neue Auflage wieder besorgen zu können, in der er denn so Manches wieder änderte und zu bessern bemüht war. Möge diese Schrift denn auch ferner dem Zweck, den die Vorrede zur ersten Auflage angiebt, entsprechen.

Leipzig, im Jan. 1816.
Dr. Becker.

Einleitung.

Der Beischlaf ist gewiß eine der wichtigsten, ja vielleicht die wichtigste Verrichtung, für welche die thierische Oekonomie des Menschen bestimmt ist. Wer weiß nicht, wie alles auf ihn ankommt, das Geschlecht des Herrn dieser Erde zu erhalten? Wer weiß nicht, daß er die süßesten Freuden in sich faßt, für deren Genuß so mancher Andre alles aufopfert, was ihm das Schicksal oder die Vorsehung an Glücksgütern gegeben hatte? Daß durch seinen Genuß gleich sehr oft das Glück oder Unglück der künftigen Generation, die ihm ihr Daseyn verdankt, u. derer, die ihr das Daseyn gegeben, bestimmt wird? Ueberlegt man, daß von den Umständen, unter welchen er Statt findet. Schande und Ehre, Gesundheit, oder ein Leben, das in der dasselbe begleitenden Kränklichkeit jeden Augenblick zu erlöschen droht, Geistesgröße selbst oder Beschränkung der Kräfte dieses, Frohsinn und Düsternheit, und wer weiß sonst noch alles abhängt: wahrlich! dann ist man es sich selbst schuldig über einen Gegenstand genauer nachzudenken, der den Meisten nichts, als eine Reihe von üppigen Bildern darstellt, an welchen sich ihre verdorbene, irregeführte Phantasie so lange letzt, bis sie am Ende unfähig wird, der Aufmerksamkeit anderer, ernsthaft zu behandelnder, Gegenstände ein Opfer zu bringen.

Der Verfasser dieser Blätter glaubt daher kein unnützes Geschäft übernommen zu haben, wenn er dem Leser jedes Standes den Weg vorzeichnet, den er bei seinem Nachdenken darüber betreten muß. So bescheiden er auch ist, so glaubt er doch kein ganz unbedeutendes Verdienst um seine Zeitgenossen sich erworben zu haben, wenn es ihm glückte, sie mit dem allen genauer bekannt zu machen, was darauf hinaus geht, den Beischlaf, das Werk des thierischen Menschen, dadurch zu veredeln, daß er immer mit Bezug auf den großen Zweck, die bedeutenden Absichten gedacht wird, welche die Natur mit ihm zu erreichen sich vornahm. Er wird sich freuen, wenn seine Leser in dem Kenntnisse erlangen, was ihn unschädlich macht, was ihn lehrt, wie sie bei seinem Genusse sicherer ihren Zweck erreichen können, als es sonst der Fall ist. Denjenigen, die vielleicht in der Absicht seine Blätter in die Hand nehmen, ihre verdorbene Phantasie zu kitzeln, wird er keinen Dienst damit erzeigen, gewiß aber Jedem, dem die Vernunft eine Leuchte in allen seinen Handlungen seyn soll.

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